powermanpapa hat geschrieben:
tacis hat geschrieben:
na bei der Geschichte bleibt ja nur zu hoffen, dass das nicht dein einziger Beitrag in diese Forum bleibt

hör auf

er schrieb "soviel in kürze" stell dir da nur mal vor was er mit "ein klein wenig mehr" oder "nun dauerts ein bisschen länger" meint
moin Holger

n'abend peter,
wenn du es lang willst liest du hier:
ATHLETEN INFOS - Athletenberichte - Holger Freynick
Bericht von Holger Freynick
2003 stand ich mit vielen anderen Nichtaktiven jenseits des Zauns am Langener Waldsee. Im Lichte eines faszinierenden Sonnenaufgangs haben wir 1700 Sportler angefeuert, die für den Iron Man Germany an den Start gingen.
Heute, ein Jahr später und nach 8 Monaten intensivster Vorbereitung, stehe ich im Lager der Aktiven. Vor mir die Herausforderung: 3,8 km schwimmen, 180 km Rad fahren und anschließend 42,195 km Stadtmarathon laufen. Und dies ohne Pausen zwischen den Disziplinen und im direkten Vergleich mit den besten Triathleten der Welt. Gänsehaut pur!
Um 3:45 h klingelt der Wecker. Routine abspulen: Kaffee, schnelles Frühstück, Wettkampfverpflegung zubereiten und ab zum Start an den See.
Das Vorbereiten der Ausrüstung in der Wechselzone geht wie von selbst. Ein letzter Check des Fahrrads und anschließend, eingezwängt in einen Neoprenanzug, geht es an den Start. Nur 140 C Lufttemperatur und 18 ° Wassertemperatur. Ist das kalt, brrrr. Eine Unmenge Zuschauer ist zu dieser frühen Stunde schon am See. Ob Sie erahnen, dass wir 2000 Athleten heute beim Wettkampf ca. 16.000.000 Kcal verbrennen werden, bis wir nach 452.000 km am Ziel ankommen?
Endlich im Wasser warten wir ungeduldig auf den Startschuss. 7:11 h ertönt der Startschuss; die knapp 2000 Teilnehmer aus 39 Nationen schwimmen los. Das Platschen von 4000 Armen übertönt jetzt jedes andere Geräusch. Gischt, Arme, Beine und Badekappen überall, die riesigen Wendebojen sind kaum zu sehen. Das kalte Wasser fordert seinen Tribut, die Krämpfe in den beiden Oberschenkeln muss ich ignorieren. Endlich bin ich auf dem Weg zu „meinen 226 km“ Euphorie!
Nach 58 Minuten habe ich die Strecke durchschwommen, liege leicht hinter meinem Plan, aber ich bin zufrieden. Nun geht’s aufs Rad Richtung Frankfurt. Ich habe noch keinen großen Abstand zur Spitzengruppe. Es geht leicht bergab mit angenehmen Rückenwind. Ich bin viel zu schnell. Tempo rausnehmen, denke ich, irgendwie gelingt es nicht. Mit Schwung nehme ich die ersten Steigungen: Unglaublich, wie leicht das heute alles geht. Mittlerweile ist es 09:00 Uhr. Hochstadt. Jede Menge Zuschauer! Sie motivieren jeden Sportler, der sich über die kleine Steigung mit dem tückischen Kopfsteinpflaster quält. Fast ungläubig lese ich wenig später das Schild: 50 km.
Jetzt habe ich schon Friedberg vor mir, der Wendepunkt der Strecke. Auch hier phantastische Zuschauer. Leider kann ich in der Menge Freunde und Kollegen nicht erkennen. Nun passiert etwas Unvorhergesehenes: wegen Windschattenfahrens muss ich eine Zwangspause von 6 Minuten einlegen. Die Kampfrichter nehmen es wohl ganz genau. Weiter geht es danach, ankämpfend gegen gleichmäßigen Gegenwind, über Wöllstadt, Kloppenheim und Bad Vilbel nach Frankfurt zurück. An der Strecke wieder Zuschauer, wie bei der Tour de France. An exponierten Stellen lassen diese teilweise nur eine kleine Gasse frei, durch die man fahren muss, ob man will oder nicht. Hoffentlich passen alle auf! Der Weg ist teilweise nicht mal einen Meter breit. Die Menschenmasse weicht, wenn ein Sportler kommt, feuert lautstark an und schließt sich sofort wieder zusammen, um den nächsten Sportler genauso enthusiastisch anzufeuern.
Frankfurt im Sonnenschein mit gesperrten Straßen. Ein wahrer Traum für jeden Radfahrer. Durch den Theatertunnel kommen wir zurück auf die Uferstraße und beginnen die zweite Runde. Und jetzt: noch mal das Ganze. Die Anstiege fallen komischerweise immer noch recht leicht. War wohl doch ein gutes Training, denke ich. Zu früh gefreut. Bei km 140 fühle ich mich total schlapp. Zum Glück kann ich es etwas rollen lassen und erhole mich dabei wieder. Einen Moment denke ich: „Dürfte ich doch jetzt laufen!“ Der letzte Anstieg nach Bad Vilbel hat es in sich, ich kämpfe mich nach oben. Dann große Freude. In Bad Vilbel stehen Freunde an der Strecke und brüllen mich regelrecht den Berg hoch. Das tut unglaublich gut und gibt wieder neue Kraft für die letzten Kilometer auf dem Rad.
Nach sage und schreibe 5:52 Stunden auf dem Rad erreiche ich die Wechselzone zum Laufen.
Ich bin überrascht, denn ich habe mit wesentlich mehr „abgestellten Rädern“ gerechnet. Ein Auge auf die futuristischen Räder der Profis und Spitzenamateure zu werfen, verkneife ich mir und hetze durch die Wechselzone. Dank der perfekten Organisation liegt zum Laufen alles bereit.
Trotz der immer noch unermüdlich strahlenden Sonne will es aber wegen dem kühlen Wind heute nicht warm werden. Ideal für einen Marathon. Die ersten Kilometer fühle ich mich einfach klasse. Überall Publikum, das einen mit dem Vornamen, der in großen Lettern auf der Startnummer aufgedruckt ist, anfeuert. An jeder Verpflegungsstelle nehme ich jetzt Getränke und Gels auf. Bei km 20 ist es wieder so weit: Krämpfe in beiden Beinen. Ich wechsele ab zwischen laufen und gehen. Mir scheint, die Abstände zwischen denen ich wechseln muss, werden immer kürzer. Jedes mal, wenn ich gehen muss, spornen mich die Zuschauer an, wieder zu laufen. Auch hier ein großartiges Publikum.
In Form eines „H“ geht es nun am Main entlang. Für jede absolvierte Runde erhält man ein farbiges Band. Ich habe schon zwei, aber der Weg ist noch so schrecklich lang. Zu meiner großen Freude begleitet mich meine Tochter einen Abschnitt von 5 Kilometern. Während des Laufens erzählt sie mir ununterbrochen Geschichten. Das tut richtig gut. Man beschäftigt sich nicht ständig mit sich selbst. Schon in meiner ersten runde sind mir die späteren Sieger entgegengekommen, jetzt kann ich nur noch nach den Athleten und Zuschauern Ausschau halten, die ich kenne.
Mittlerweile nehme ich trotz einer ganzen Reihe von Freunden, Verwandten und Kollegen an der Strecke nur noch Blitzlichter wahr. „Kämpfe!“, sage ich mir. „Halt durch!“. Im Innersten weiß ich, dass ich mein Ziel, den Wettkampf in weniger als 12 Stunden zu beenden, erreichen werde. Aber ich spüre auch, dass es in der Schlussphase noch schwerer werden wird. Gottlob kreisen meine Gedanken keine Sekunde ums Aufgeben. Das wäre jetzt verhängnisvoll.
Seit 11 Stunden bin ich jetzt unterwegs. Der letzte Wechsel von der nördlichen auf die südliche Mainseite. Noch einmal vorbei am Zielbereich. Die letzten 4 Kilometer. Ich weiß nicht, woher auf einmal wieder diese Kraft kommt. Genauso wenig, wie ich mir erklären kann, wohin die Krämpfe verschwunden sind. Die letzten Km durchlaufe ich mit einem Schnitt von 5:15 Min/Km. Ich verlasse die Laufstrecke in Richtung Ziel. Vorbei an dem Lärm auf der Zuschauertribüne am Mainufer. Die letzte Kurve. Die Gasse, die zum Römerberg führt. Ich bin wie erschlagen, glaube, der Lärm treibt mich rückwärts aus dem Zielkanal hinaus. Das Ziel ist zu sehen, ich höre nur noch Anfeuerungsrufe, höre die Freunde nur noch, versuche aber vergeblich, sie in der unübersehbaren Menge der Zuschauer zu orten. Laufe. Sprinte dem Ziel entgegen und: Nach 11:42 h ist alles vorbei. Ich bin nur noch glücklich.
aber ich fasse mcih un zukunft kürzer.... versprochen!
holger
