Nachdem Newbie heute gefragt hat, ob alles ok sei, weil ich nichts mehr schreibe, lege ich jetzt mal die letzten Tage nach.
Am Sonntag früh hab ich gepackt, mich vom Haushund Mischka verabschiedet (die Süße ist ein Kuschelmonster und besucht dreimal am Tag alle Gäste) und fuhr nach Aix en Provence. Dort hab ich auch sofort mein gewünschtes Hotel gefunden, allerdings konnte ich am späten Vormittag noch nicht einchecken - also ließ ich meine Koffer da und fuhr wieder los. Die freundliche Frau an der Rezeption drückte mir noch den Stadtplan von Aix in die Hand, aber ich hatte ja ein ganz anderes Ziel: ich wollte in die Camargue. Auf der Autobahn hab ich dann jedoch noch die Ausfahrt "Arles" genommen und hab mir das dortige Amphietheater angeschaut und die Aussicht vom obersten Turm über die Stadt gegönnt. So groß meine Angst vor allen möglichen Türmen ist, rauf muß ich doch überall.
Dann weiter: Ziel Salin de Giraud. Die Schilder, daß ich in der Camargue bin, kamen früh - aber keine Pferde, keine Stiere, keine Flamingos. Ein Fuchs. Unmengen Schafe. Eine Katze. Das ist ja die wahnsinns Ausbeute

Wenigstens regnete es nicht. So fuhr ich weiter bis zum großen Salzberg von Salin de Giraud und weiter bis zur äußersten Südspitze der Landzunge im Mündungdelta der Rhone. Hier stieg ich aus und hielt mal die Füße ins Wasser. Einige Kinder tobten drinnen, also muß es doch... nein, es war kalt, aber egal, Meerwasser ist immer schön und in Menthon hielt ich die Füße ja auch ins Wasser. Ich hatte aber keine rechte Ruhe um lang am Meer zu sitzen - irgendwo müssen doch die ganzen Tiere sein? Der Tourismusverband wirbt doch nicht auf tausenden Postkarten und dann gibts da nichts? Zuerst bin ich noch zum Aussichtspunkt bei den Salzsseen. Ich finde ja die Anlage bei den Salinas de Janubio auf Lanza schon immer toll, aber das war einfach riesig. Alle Farben und was sehe ich? Hufabdrücke im Sand! Hier müssen Pferde gewesen sein. Ich fuhr weiter mit dem Plan auf dem Rückweg zum einen in den Vogelpark zu fahren und dann noch bis Les Saintes Maries de la Mer. Ich hatte ja heute sonst nichts mehr vor und das Wetter war gut. Auf dem Wegen tauchten dann dann ersten Pferde auf, dann einige schwarzen Stiere und zuletzt - und da mußte ich wirklich erstmal schlucken: Flamingos. Jahrelange hab ich in Portugal nach Flamingos Ausschau gehalten, da hieß es dann immer "dann sind sie schon weg" - hier hätte mir jetzt "sie sind noch nicht da" passieren können - aber nein, es waren welche da. zwar keine riesigen Kolonien wie im Reiseführer angekündigt, aber egal: Flamingos. Rosa und meist mit dem Kopf im seichten Wasser um zu fressen.
Der Park war nett: schön angelegte Wege, eine große grüne Echse, natürlich diverse Vögel, Enten, ein Storch, eine Schwanfamilie, nochmal ein Pferd, eine Schildkröte, eine Nutria - das ist das, was ich gesehen habe. Daß auch wohl Unmengen Stechmücken da waren, hab ich erst in der nächsten Nacht gemerkt...
Kurz vor Saintes Maries da la Mer waren dann nicht nur eine große Menge Flamingos ganz nach an der Straßen in einem Tümpel, es flog auch noch eine Schwarm wie auf der Kitschpostkarte in V-Formation über das Land. Im Ort begann es dann leicht zu regnen, so daß ich auf "Essen gehen am Meer" verzichtet habe und zurück nach Aix gefahren bin. Dort hat es dann so geschüttet, daß ich überlegt habe nicht mehr Essen zu gehen, sondern mir was ins Hotel liefern zu lassen. Irgendwie scheint es jeden Tag regnen zu müssen.
Am Montag stand dann Marseille auf dem Programm: Ich begann damit, daß ich planlos in die Stadt fuhr, die große Kirche Notre Dame da la Garde auf dem Hügel entdeckte und dort hin fuhr: Parkplatz direkt am ersten Parkplatz vor der Kirche bekommen und dann den Rest hochgewandert. Beeindruckender Bau, allerdings natürlich viele (viel zu viele) Menschen überall. Mein an sich gutes Sicherheitsgefühl wurde dann im Aufzug dort getrübt: in diversen Sprachen wurde vor Taschendieben gewarnt.
Anschließend bin ich in die Stadt runter und hab mir erstmal eine Apotheke gesucht: die Stiche waren mittlerweile riesig, rot, juckten wie sonst was und machten einfach so gar keinen Spaß. Mit Salbe ging es so halbwegs. Ich wanderte durch die Straßen, um den Hafen herum zur Kathedrale von Marseille. Und was passierte? Es fing an zu regnen. Am weitesten entfernten Punkt von meinem Auto. Hilft nichts, ich wandere zurück. Jacke und Schirm hab ich heute im Auto gelassen, weil es ja heute so schön war

Im Regen war es aber einfach nicht mehr so nett und so bin ich weiter nach Cassis. Dort soll die Küste sehr schön sein und man könnte spazieren gehen usw. Das Tiefdruckgebiet hat sich jedoch auch in meinem Kopf ausgebreitet und so wurden die Kopfschmerzen immer stärker und irgendwann fuhr ich auf schnellstem Weg zurück ins Hotel, weil ich Sorge hatte am Ende mit Migräne in Cassis festzusitzen und nicht mehr weiter zu kommen. Von der schönen Küste hab ich dank mittlerweile kräftigem Regen und tiefhängenden Wolken (und Migräne) nichts gesehen. Hotel, Bett, schlafen - und später die typischen Nachkopfschmerz-Heißhungerattacken bekämpfen.
Die Verlängerungsnacht hab ich dann am Dienstag früh klar gemacht. Mit dem Wissen, daß meine Pläne dann natürlich endgültig nicht mehr funktionieren, aber ich wollte mir sowohl Aix als auch Salon au Provence noch anschauen und eigentlich auch nochmal ans Meer. Das wurde dann auch am Dienstag umgesetzt: Zuerst ins Zentrum von Aix, wo trotz Feiertag großer Markt war. Aber auch eine große Feierlichkeit mit diversen Veteranen aus dem Zweiten Weltkriege, den Marinesoldaten und schwer bewaffnetem Militär, die die ganze Geschichte schützten. Aix hat mir gut gefallen, hier war es gemütlicher als in Marseille, lebhaft und fröhlich und ich wäre fast hängen geblieben, aber ein Kollege schwärmte von Salon au Provence und so wollte ich da noch hin. Hier lernte ich dann, daß hier wohl Nostradamus gelebt hat und auf der Burg gab es eine Kunstausstellung von netten Skulpturen. Ansonsten fand ich den Ort jetzt nicht so toll. Seifenläden kann ich halt auch irgendwie nichts abgewinnen. Aber wenn ich hier so kurz war, bleibt ja Zeit für: Meer! Ich fuhr also über Istres nach Fos-sur-Mer, lief erstmal um die ganze Burg herum, fand dann einige Katzen, die gestreichelt werden mußten (mein Gott vermiß ich meine zwei...) und dann fuhr ich noch ans Meer. Das war hier gar nicht so kalt! Ungewöhnlich war der Anblick der vielen Lastschiffe, die aus dem Hafen von Marseille kamen. Ich war jedoch müde und so blieb ich nicht so lange wie ich gerne geblieben wäre, mußte ja auch noch ein Stück fahren. Als ich kurz vor Aix war, wurden die Kopfschmerzen auch wieder stärker und es fing zu regnen an. Ganz was Neues. Also ins Hotel und dann bin ich einfach eingeschlafen und erst so richtig nach rund 11 Stunden wieder aufgewacht. Sagenhaft. Dafür schmerzfrei. Was gut war, denn heute war ja dann Mittwoch und ich mußte packen und weiter fahren.
Mittwoch stand dann Nimes (ja, noch ein Amphietheater und diverse römische Bauten) auf dem Plan. Ich mag die Dinger, hab jetzt schon mehrere gesehen, aber noch freue ich mich immer wieder, wenn ich irgendwo eines sehen kann. Mich beeindruckt allein, wie lange diese Gebäude schon stehen, was sie alles überstanden haben und in Anbetracht der alten (und doch etwas abgelebten) Gebäude fühl ich mich gleich viel jünger und fitter
Als nächsten kam dann Montpelier, von dem Nils geschwärmt hat: zurecht! Wunderschöne Stadt, geparkt an der Comedie und damit mitten im Zentrum und gleich von dem großen Platz und den Häusern überwältig worden. Ich bin dann durch die Straßen bis zum Triumpfbogen und weiter durch den Park um dann ein wunderschönes Aquädukt zu sehen. Dort hatte ich eine äußert nette Unterhaltung mit einem älteren Ehepaar, die auf dem Jakobsweg in Frankreich unterwegs waren. Reisebekanntschaften hatte ich sonst keine, aber ich komme gut allein klar. Gibt ja ein paar Menschen zu Hause, die sich regelmäßig melden und fragen wie es mir geht und wo ich gerade bin und was ich mache.
Nächste Stadt für gestern war dann Carcassonne. Ich hatte lange überlegt ob ich sie streichen soll und dann von Montpellier aus zurück nach Avignon und nach Hause. Aber mich reizte die Burganlage und ich wurde nicht enttäuscht! Die eigentliche Altstadt fand ich recht uninteressant, aber die Cité ist der Wahnnsinn. 3 km doppelte Burgmauer und drinnen eine Burg, eine Kirche und ein komplettes Dorf. Die Besonderheit ist momentan, daß außen auf einem Teil der Burg gelbes Klebeband aufgebracht ist. Je nachdem wo man steht bilden die Streifen dann Muster - und von einer Stelle aus schließen sich die Streifen zu Kreisen. Sehr beeindrucken und so irritierend ich erstmal die gelben Flecken fand (sie störten ja schon mein Bild von der Burganlage), so begeistert war ich von den Kreisen.
Da das Hotel in Carcassonne, das ich mir ausgesucht habe, mir von außen so gar nicht entsprach bin ich noch weitergefahren bis Toulouse. Dort ins Hotel, Bett, Feierabend. Viel gesehen, viel erlebt - ich war müde.
Heute früh ging es dann nicht ganz so früh wie geplant, dafür ausgeschlafen und mit einem hervorragenden Frühstück weiter Richtung Nord-Westen. Die Entscheidung fiel irgendwann heute Nacht, aber so ganz sicher war ich mir erst, als ich wirklich den Abzweig nach Bordeaux genommen habe und das Navi auf "Dune du Pilat" eingestellt habe. Auf dem letzten Teilstück war viel los. Die Idee hatten viele - hier ist ja auch Feiertag. Auch wenn die ganze Geschichte natürlich sehr touristisch ist, es hat Spaß gemacht die Düne hoch zu klettern und oben dann einfach zu sitzen und die Aussicht auf den Atlantik und Cap Ferret zu genießen. Zwei Stunden später bin ich wieder runter - der Wind war kräftig und irgendwann hatte ich genug Sand in den Ohren
Auch wenn es verrückt war, der nächste Ort war dann Cap Ferret. Ich wollte direkt ans Meer und die Düne von "unten" sehen. Die Fahrt dauert leider recht lange. Umleitungen und auch hier viele Urlauber machten die Strecke lange, aber auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Ich war noch lange am Meer spazieren, meine Laufschuhe haben jetzt ihre Atlantiktaufe erhalten (bevor ich sie ausgezogen habe) und am Ende war ich bin zu den Knien im Meer und war einfach glücklich.
Ich weiß nicht, ob es der Tag am Meer war, der mir so gut getan hat oder ob jetzt nach fast zwei Wochen Urlaub endlich sowas wie Erholung einsetzt - hier würde ich jetzt gerne bleiben. Direkt am Meer, dasitzen, doof schauen, genießen. Ist aber nicht. Abendessen in Cap Ferret und dann ins Hotel nach Bordeaux. Kurzfristig war direkt am Meer nichts erschwingliches zu finden. Und so sitze ich jetzt in Bordeaux, das ich mir morgen anschauen will. Ob dann morgen gleich noch das erste Stück nach Hause oder die gesamte Strecke am Samstag und Sonntag weiß ich noch nicht.
Leider ist das alles so weit von zu Hause weg. Meer tut einfach gut.